Im Rahmen des TSTVÖ Special of the Year am 26.10.2025 in Wien standen drei hochkarätige ReferentInnen im Mittelpunkt, die sich aus unterschiedlichen Perspektiven mit dem Thema Körperbewusstsein im Tanz auseinandersetzten: Franco Formica präsentierte sein Bodyflow-Prinzip, Lasse Odegaard stellte sein Inner-body-art-Konzept vor, und Irene Hanke beleuchtete die Bedeutung eines reflektierten Gender-Verständnisses im Zusammenhang mit Safe Sport.
Francos Bodyflow-Prinzip richtet den Fokus auf das innere Erleben von Bewegung. Während in der Tanzwelt zunehmend Form und äußere Erscheinung in den Vordergrund rücken, stellt das Bodyflow-Konzept auf Individualität ab, die individuelle Bewegung von innen heraus entstehen lässt.
Die drei Elemente von Bodyflow
Alle drei Elemente sind durch die sogenannten „Inner Tracks“ verbunden – imaginäre Linien, die vom Nacken über die Sitzbeinhöcker bis zu den Füßen verlaufen. Sie schaffen das Gefühl, sich als Ganzes zu bewegen. Wenn Sitzbeinhöcker und Nacken gleichzeitig aktiv sind, wird die gesamte Wirbelsäule in die Bewegung integriert – und der Tanz bekommt Kraft, Fluss und innere Geschlossenheit.
Neben den drei Elementen des Bodyflow umfasst Francos Konzept auch drei Pfeiler der Bewegung:
Musikalität als gelebte Bewegung
In der Bewegung geht es darum, die Dauer des Klangs der Musik bewusst zu nutzen und in körperlichen Ausdruck zu übersetzen. Jeder Moment eines Tons – vom Entstehen bis zum Verklingen – kann tänzerisch gestaltet werden. Das bedeutet, nicht nur auf den Rhythmus oder den Schlag zu reagieren, sondern die ganze Klangentwicklung zu vertanzen: den Preparing Sound (das Ansetzen der Bewegung/Projektion), den Shifting Sound (das Entfalten der Bewegung im Fluss des Klangs) und den Fading-out Sound (das Nachschwingen und Loslassen).
Es ist zu beobachten, dass TänzerInnen oft nicht wirklich auf die Musik tanzen, weil sie zu sehr mit der äußeren Form oder der Darstellung eines tänzerischen Endprodukts beschäftigt sind. Doch Tanz entsteht im Prozess – im Hören, im Verbinden von Bewegung und Klang, und in der bewussten Gestaltung der musikalischen Zeit. Wenn Bewegung und Musik denselben Atem teilen, wird der Tanz lebendig und authentisch.
Lasse Odegaard stellte die Verbindung von Körper und Bewusstsein in den Mittelpunkt. Hier einige erhellende Streiflichter aus seinem unverwechselbaren Vortrag:
Als Gender- und Diversity-Beauftragte des ÖTSV ging Irene zunächst auf das Verständnis von Gender als soziales Geschlecht ein. Es sei wichtig, die gesellschaftlich geprägten Erwartungen und Zuschreibungen zu reflektieren, die insbesondere Tänzerinnen betreffen.
Trainerinnen und Trainer sollten Damen in ihrer Rolle ernst nehmen, sie aktiv einbeziehen und ihnen Verantwortung übertragen. Nur so entsteht ein gleichberechtigtes Miteinander im Tanzpaar. Dabei ist es wichtig, den weiblichen Part nicht nur als „ergänzend“ zu sehen, sondern seine Bedeutung und Eigenständigkeit im Paar deutlich hervorzuheben.
Ein erklärtes Ziel sollte sein, dass Tanzsportlerinnen auch über ihre aktive Karriere hinaus dem Tanzsport erhalten bleiben – etwa als Trainerinnen, Coaches oder Funktionärinnen. Derzeit gehen viele wertvolle Erfahrungen verloren, weil talentierte Tänzerinnen diesen Schritt nicht machen.
Gleichzeitig stehen Damen im Tanzsport häufig unter starkem Erwartungsdruck: Sie sollen technisch hervorragend, beweglich, aber auch stets äußerlich „perfekt“ sein – mit Fokus auf Frisur, Schminke und Erscheinungsbild. Diese einseitigen Erwartungen können belastend sein und das eigentliche sportliche Selbstverständnis überlagern.
Im Sinne von Safe Sport bedeutet Tanzsport, eine Umgebung zu schaffen, in der sich alle Beteiligten sicher, respektiert und frei entfalten können – unabhängig von Geschlecht, Alter oder Rolle im Paar. Dazu gehört der Schutz vor jeglicher Form von Belästigung, verbaler Gewalt, Grenzverletzungen, Übergriffen oder sexualisierter Gewalt. Auch Mobbing, die Missachtung von Regeln sowie das Unterdrücken von Eigenverantwortung oder Selbstständigkeit innerhalb des Paares widersprechen diesem Prinzip.
Ein sicherer Sportraum zeichnet sich durch achtsamen, altersgemäßen Umgang, respektvolle Kommunikation und angemessenes Verhalten, Gestik und Kleidung aus. Ziel ist ein Tanzumfeld, in dem Vertrauen, gegenseitiger Respekt und persönliche Entwicklung im Vordergrund stehen – damit alle Sportlerinnen und Sportler ihre Potenziale entfalten und langfristig mit Freude im Tanzsport aktiv bleiben können.
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